Dienstag, 31. Juli 2012

Oma Sunkist


Oma Sunkist ist die zweite Puppe, die ich je hergestellt habe und ja, ich bin ein wenig stolz auf die alte Dame.
Im Folgenden werde ich beschreiben, wie Oma Sunkist entstanden ist.

Sie wird Hauptdarstellerin in einem neuen Puppenstück, an dem ich gerade schreibe. Zielgruppe werden Rentner sein. Ein Experiment. Thema wird Opferschutz, z.Bsp. Enkeltrick werden.

Wie alles begann...


Oma Sunkist soll eine mobile alte Dame werden, die zwar ein wenig schwerhörig ist, aber noch immer fit genug ist, um ihren Alltag zu meistern.
Sie achtet auf sich, ihre Lieblingsfarbe ist rot und eigentlich ist sie eine feine Dame.
Als erstes googelte ich nach einem kostenlosen Schnittmuster für ein Kleid. Ich entschied mich für ein viktiorianisches Kleid, dass ich dann so oft durch den Kopierer jagte, bis ich die richtige Größe vermutete.
Stoff sammle ich schon seit einiger Zeit und wurde in der Werkstatt fündig.

Aber als erstes brauchte Oma Sunkist ja ein Gesicht.

Ein Puppenkopf entsteht...

Eine stinknormale Styroporkugel dient als "Gerüst". Grob zeichnete ich die Gesichtszüge auf, um sie dann mit Cuttermesser, Drehmel, Schere und Fingerpulen grob herauszuarbeiten.
Die Puppe soll so leicht wie möglich werden und nischt ist leichter als Styropor.

Leider macht es eine ungeheure Schweinerei und Styroporkugeln laden sich beim "Wegwischen" statisch auf. Das Saubermachen im Nachhinein ist ein Krampf. Überall dieses Schneegestöber, in allen Ritzen, auf den Klamotten und nicht wegzubekommen...Grrrrrh.

Meine Empfehlung: Gleich mit einem Staubsaugerrohr zwischen den Beinen arbeiten und das Material im Fallen bereits wegsaugen. Spart mächtig Nerven!
Nein. Es ist kein Brotteigklumpen. Hier geht es nicht um Rezepte, sondern um Puppenbau!

In meiner Werkstatt fand ich seit 12 Jahren abgelaufenes Holzmodeliermehl. Bisher arbeitete ich mit normaler Pappmachetechnik, aber mal was Neues ausprobieren schadet nur selten. Wusste gar nicht, das getrocknete Zellulose ein Verfallsdatum hat. Naja. Salz hat ja auch eines. Nicht drüber nachdenken. Funktionierte super. Einfach anrühren, kneten, halbe Stunde warten und auf den Styroporkopf raufschmaddern.

Tip: Finger und zu bearbeitenden Hintergrund immer schön nass machen!

Das schöne, das Zeug kann man verschlossen (z.Bsp. alte Eiskremeschachtel) unbedenklich eine Woche lang stehen lassen. Funktioniert immer noch.
Trocknen tut das Ganze allerdings eher langsam, zumindest dickere Partien. So dünn wollte ich die Masse auch nicht auftragen, damit ich sie nachher noch bearbeiten und Material wieder abschnitzen kann.
Richtig ausgetrocknet kann man dann damit umgehen wie wie Holz. Schnitzen, schleifen, Kamin mit anfeuern....

Tip: Bei kleineren Stücken kann man die Trockenphase beschleunigen, in dem man alles in den Ofen schiebt und bei 50 Grad mehrere Stunden vor sich hintrocknen lässt. Nicht heißer, kann sein, dass es rissig wird.
Ich weiß, ich weiß, die Stromrechnung und die Umwelt....Es ist auch NUR ein Tip.

In diesem Fall trocknete der Kopf drei Tage lang gut durch.
Genug Zeit, sich um das Kostüm bzw. ein Unterkleid zu kümmern.